māḿ ca yo 'vyabhicāreṇa
bhakti-yogena sevate
sa guṇān samatītyaitān
brahma-bhūyāya kalpate
mÄm — Mir; ca — auch; yaḥ — jemand, der; avyabhicÄreṇa — ohne abzuweichen; bhakti-yogena — durch hingebungsvollen Dienst; sevate — bringt Dienst dar; saḥ — er; guṇÄn — die Erscheinungsweisen der materiellen Natur; samatÄ«tya — transzendierend; etÄn — all diese; brahma-bhÅ«yÄya — auf die Brahman-Ebene erhoben; kalpate — wird.
ERLÄUTERUNG: Dieser Vers ist die Antwort auf Arjunas dritte Frage: Auf welche Weise kann man die transzendentale Stellung erreichen? Wie bereits erklärt wurde, bewegt sich die materielle Welt im Bann der Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Man sollte sich durch die Tätigkeiten der Erscheinungsweisen der Natur nicht verwirren lassen; anstatt sein Bewußtsein in solche Tätigkeiten zu vertiefen, kann man sein Bewußtsein auf Krsna-Tätigkeiten richten. Krsna-Tätigkeiten werden bhakti-yoga genannt – ständiges Handeln für Krsna. Dies bezieht sich nicht nur auf Krsna, sondern auch auf Seine verschiedenen vollständigen Erweiterungen, wie Rama und Narayana. Krsna hat unzählige Erweiterungen. Wer sich im Dienste irgendeiner der Formen Krsnas, oder einer Seiner vollständigen Erweiterungen, beschäftigt, gilt als jemand, der sich auf der transzendentalen Ebene befindet. Man sollte auch beachten, daß alle Formen Krsnas völlig transzendental, voller Glückseligkeit, voller Wissen und ewig sind. Diese Persönlichkeiten Gottes sind allmächtig und allwissend, und Sie besitzen alle transzendentalen Eigenschaften. Wenn man sich also mit unerschütterlicher Entschlossenheit im Dienst Krsnas oder Seiner vollständigen Erweiterungen beschäftigt, kann man die Erscheinungsweisen der materiellen Natur, die sehr schwer zu überwinden sind, mit Leichtigkeit hinter sich lassen. Dies wurde bereits im Siebten Kapitel erklärt. Wer sich Krsna ergibt, überwindet sogleich den Einfluß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Im Krsna-Bewußtsein, im hingebungsvollen Dienst, beschäftigt zu sein bedeutet, Gleichheit mit Krsna zu erlangen. Der Herr sagt, daß Seine Natur ewig, glückselig und voller Wissen ist, und die Lebewesen sind winzige Teile des Höchsten, so wie Goldkörner Teile einer Goldmine sind. Somit hat das Lebewesen in seiner spirituellen Stellung die gleichen Eigenschaften wie das Gold in der Goldmine, das heißt die gleichen Eigenschaften wie Krsna. Der Unterschied der Individualität bleibt immer bestehen; ansonsten wäre bhakti-yoga gar nicht möglich. Bhakti-yoga bedeutet, daß der Herr existiert, daß der Gottgeweihte existiert und daß ein liebevoller Austausch zwischen dem Herrn und Seinem Geweihten stattfindet. Deshalb sind die Höchste Persönlichkeit Gottes und die individuelle Seele zwei verschiedene Individuen; sonst hätte das Wort bhakti-yoga keine Bedeutung. Ohne sich auf der gleichen transzendentalen Ebene wie der Höchste Herr zu befinden, kann man Ihm nicht dienen. Um ein persönlicher Diener des Königs zu sein, muß man sich die erforderlichen Qualifikationen aneignen. Die Qualifikation besteht darin, Brahman zu werden, das heißt frei von aller materiellen Verunreinigung. In der vedischen Literatur heißt es: brahmaiva san brahmapy eti. Man kann das Höchste Brahman erreichen, indem man Brahman wird. Dies bedeutet, daß man mit dem Brahman qualitativ eins werden muß. Wenn man das Brahman erreicht, verliert man nicht seine ewige Brahman-Identität als individuelle Seele.