śrī-bhagavān uvāca
su-durdarśam idaḿ rūpaḿ
dṛṣṭavān asi yan mama
devā apy asya rūpasya
nityaḿ darśana-kāńkṣiṇaḥ
Å›rÄ«-bhagavÄn uvÄca — die Höchste Persönlichkeit Gottes sprach; su-durdarÅ›am — sehr schwer zu sehen; idam — diese; rÅ«pam — Form; dṛṣá¹avÄn asi — die du gesehen hast; yat — welche; mama — Meine; devÄḥ — die Halbgötter; api — auch; asya — diese; rÅ«pasya — Form; nityam — ewiglich; darÅ›ana-kÄá¹…ká¹£iṇaḥ — danach strebend zu sehen.
ERLÄUTERUNG: Im achtundvierzigsten Vers dieses Kapitels beendete Sri Krsna die Offenbarung Seiner universalen Form und teilte Arjuna mit, daß es nicht möglich sei, diese Form durch zahlreiche fromme Werke, Opfer usw. zu sehen. Hier nun wird das Wort su-durdarsam gebraucht, das darauf hinweist, daß Krsnas zweihändige Form noch vertraulicher ist. Es mag vielleicht möglich sein, die universale Form Krsnas zu sehen, indem man zu verschiedenen Tätigkeiten, wie Bußen, dem Studium der Veden oder philosophischer Spekulation, eine Spur hingebungsvollen Dienst hinzufügt. Dies ist vielleicht möglich, doch wie bereits erklärt wurde, kann man sie ohne eine Spur von bhakti nicht sehen. Noch schwieriger, als die universale Form zu sehen, ist es, Krsna in Seiner zweihändigen Gestalt zu sehen – selbst für Halbgötter wie Brahma und Siva. Sie haben den Wunsch, Ihn zu sehen, und im Srimad-Bhagavatam wird beschrieben, daß alle Halbgötter des Himmels erschienen, um Krsna zu bewundern, als Er Sich scheinbar im Leib Seiner Mutter, Devaki, befand. Obwohl ihnen der Herr zu diesem Zeitpunkt nicht sichtbar war, brachten sie Ihm erlesene Gebete dar und warteten darauf, Ihn sehen zu können. Ein Narr mag Krsna verspotten, da er Ihn für einen gewöhnlichen Menschen hält, oder es kann sein, daß er nicht Ihm, sondern dem unpersönlichen „Etwas“ in Ihm Achtung erweist, doch dies sind alles unsinnige Auffassungen. Selbst Halbgötter wie Brahma und Siva wünschen sich, Krsna in Seiner zweiarmigen Gestalt zu sehen.
In der Bhagavad-gita (9.11) wird ebenfalls bestätigt, daß Er den Toren, die Ihn verspotten, nicht sichtbar ist: avajananti mam mudha manusim tanum asritam. Wie es in der Brahma-samhita und von Krsna Selbst in der Bhagavad-gita bestätigt wird, ist Sein Körper völlig spirituell und voller Glückseligkeit und Ewigkeit. Sein Körper gleicht niemals einem materiellen Körper. Doch für gewisse Menschen, die Krsna zum Gegenstand eines Studiums machen wollen, indem sie die Bhagavad-gita oder ähnliche vedische Schriften lesen, ist Krsna ein Rätsel. Wer sich eines materiellen Vorgangs bedient, um Krsna zu verstehen, wird Ihn für eine bedeutende historische Persönlichkeit und einen sehr gelehrten Philosophen, doch letztlich für einen gewöhnlichen Menschen halten, der trotz Seiner großen Macht einen materiellen Körper annehmen mußte. Letzten Endes denken solche Menschen, die Absolute Wahrheit sei unpersönlich; folglich glauben sie, die Absolute Wahrheit habe aus dem Unpersönlichen eine persönliche Form angenommen, die an die materielle Natur gebunden sei. Dies ist eine materialistische Auffassung vom Höchsten Herrn. Eine andere Auffassung beruht auf Spekulation. Diejenigen, die nach Wissen suchen, spekulieren auch über Krsna und halten Ihn für weniger bedeutend als die universale Form des Höchsten. Folglich sind einige Menschen der Meinung, die universale Form Krsnas, die Arjuna offenbart wurde, sei wichtiger als Seine persönliche Form. Ihrer Ansicht nach existiert die persönliche Form des Höchsten nur in der Einbildung. Sie glauben, daß die Absolute Wahrheit letztendlich keine Person sei.
Der transzendentale Vorgang wird indes in der Bhagavad-gita beschrieben, und zwar im Vierten Kapitel. Dort heißt es, daß man von Autoritäten über Krsna hören muß. Dies ist der echte vedische Vorgang, und diejenigen, die tatsächlich den vedischen Lehren folgen, hören über Krsna von Autoritäten, und durch wiederholtes Hören über Krsna entwickeln sie Zuneigung zu Ihm. Wie wir bereits mehrfach erklärt haben, ist Krsna von Seiner yoga-maya-Energie bedeckt. Er kann nicht von jedem beliebigen Menschen gesehen oder erkannt werden. Er kann nur von jemandem gesehen werden, dem Er Sich offenbart. Dies wird in der vedischen Literatur bestätigt. Nur eine ergebene Seele kann die Absolute Wahrheit tatsächlich verstehen. Durch beständiges Krsna- Bewußtsein und durch hingebungsvollen Dienst zu Krsna können die Augen des Transzendentalisten geöffnet werden, und so kann er Krsna durch Offenbarung sehen. Solche Offenbarung wird nicht einmal den Halbgöttern zuteil; daher fällt es selbst ihnen schwer, Krsna zu verstehen, und die fortgeschrittenen Halbgötter hoffen stets darauf, Krsna in Seiner zweihändigen Form zu sehen.
Die Schlußfolgerung lautet, daß es bereits äußerst schwierig und nicht jedem beliebigen Menschen möglich ist, die universale Form Krsnas zu sehen, daß es aber noch schwieriger ist, Seine persönliche Gestalt als Syamasundara zu verstehen.