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mat-karma-kṛn mat-paramo

mad-bhaktaḥ sańga-varjitaḥ

nirvairaḥ sarva-bhūteṣu

yaḥ sa mām eti pāṇḍava

mat-karma-káč›t — damit beschĂ€ftigt, Meine Arbeit zu verrichten; mat- paramaáž„ — Mich als den Höchsten betrachtend; mat-bhaktaáž„ — in Meinem hingebungsvollen Dienst beschĂ€ftigt; saáč…ga-varjitaáž„ — befreit von der Verunreinigung durch fruchtbringende TĂ€tigkeiten und gedankliche Spekulation; nirvairaáž„ — ohne einen Feind; sarva-bhĆ«teáčŁu — unter allen Lebewesen; yaáž„ — jemand, der; saáž„ — er; mām — zu Mir; eti — kommt; pāáč‡ážava — o Sohn Pāáč‡ážus.


Text

Mein lieber Arjuna, wer sich in Meinem reinen hingebungsvollen Dienst beschĂ€ftigt, frei von den Verunreinigungen durch fruchtbringende TĂ€tigkeiten und gedankliche Spekulation, wer fĂŒr Mich arbeitet, wer Mich zum höchsten Ziel seines Lebens macht und wer jedem Lebewesen ein Freund ist, gelangt mit Sicherheit zu Mir.

Purport

ERLÄUTERUNG: Jeder, der sich der höchsten aller Persönlichkeiten Gottes auf dem Krsnaloka-Planeten in der spirituellen Welt nĂ€hern will und mit der Höchsten Persönlichkeit, Krsna, eng verbunden sein möchte, muß die Richtlinien befolgen, die hier von Ihm persönlich gegeben werden. Deshalb gilt dieser Vers als die Essenz der Bhagavad-gita. Die Bhagavad-gita ist ein Buch, das fĂŒr die bedingten Seelen bestimmt ist, die in der materiellen Welt mit dem Ziel tĂ€tig sind, die Natur zu beherrschen, und die das wahre, spirituelle Leben nicht kennen. Die Bhagavad- gita soll zeigen, wie man seine spirituelle Existenz und seine ewige Beziehung zur höchsten spirituellen Persönlichkeit verstehen kann und wie man nach Hause, zu Gott, zurĂŒckkehren kann. Dies nun ist der Vers, der klar den Vorgang beschreibt, wie man im spirituellen Leben erfolgreich sein kann: durch hingebungsvollen Dienst.

Was Arbeit betrifft, so sollte man seine Energie ausschließlich auf Krsna-bewußte TĂ€tigkeiten ĂŒbertragen. Hierzu heißt es im Bhakti- rasamrta-sindhu (1.2.255):

anasaktasya visayan
yatharham upayuñjatah
nirbandhah krsna-sambandhe
yuktam vairagyam ucyate

Niemand sollte eine Arbeit verrichten, die nicht in Beziehung zu Krsna steht. Das wird krsna-karma genannt. Egal welche TĂ€tigkeiten man verrichtet, man sollte nicht am Ergebnis seiner Arbeit haften. Das Ergebnis sollte allein Ihm gewidmet werden. Ein GeschĂ€ftsmann zum Beispiel kann seine Arbeit in Krsna-Bewußtsein umwandeln, wenn er sie fĂŒr Krsna tut. Wenn Krsna der Besitzer des GeschĂ€fts ist, sollte Er auch den Gewinn dieses GeschĂ€fts genießen. Wenn ein GeschĂ€ftsmann also Tausende und Abertausende von Dollars besitzt, muß er dies alles Krsna darbringen, und wenn er es tut, ist dies Arbeit fĂŒr Krsna. Anstatt sich ein großes Haus fĂŒr die Befriedigung seiner Sinne zu bauen, kann er einen wunderschönen Tempel fĂŒr Krsna bauen, die Bildgestalt Krsnas installieren und sich um Ihre Verehrung kĂŒmmern, so wie es die autorisierten BĂŒcher des hingebungsvollen Dienstes vorschreiben. Dies alles ist krsna- karma. Statt am Ergebnis seiner Arbeit zu haften, sollte man es Krsna darbringen. Außerdem sollte man die Überreste der Speisen, die Krsna dargebracht wurden, als prasadam zu sich nehmen. Wenn man ein großes Haus fĂŒr Krsna baut und die Bildgestalt Krsnas installiert, so ist es einem nicht untersagt, darin zu wohnen, aber man muß verstehen, daß der Besitzer des GebĂ€udes Krsna ist. Dies wird Krsna-Bewußtsein genannt. Sollte man jedoch nicht in der Lage sein, einen Tempel fĂŒr Krsna zu erbauen, so kann man zumindest den Tempel Krsnas reinigen; auch das ist krsna-karma. Oder man kann einen Garten anlegen und pflegen. Jeder, der Land besitzt – und zumindest in Indien hat selbst der Ă€rmste Mann ein kleines StĂŒck Land –, kann darauf Blumen anpflanzen, um sie zu Krsna zu opfern. Man kann tulasi-Pflanzen setzen, denn tulasi-BlĂ€tter sind sehr wichtig, und Krsna hat dies in der Bhagavad-gita empfohlen: patram puspam phalam toyam. Krsna möchte, daß man Ihm ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder etwas Wasser opfert; eine solche Opferung wird Ihn zufriedenstellen. Mit dem Blatt ist insbesondere tulasi gemeint. Man kann also tulasi anpflanzen und sie begießen. So kann sich selbst der Ă€rmste Mann im Dienst Krsnas beschĂ€ftigen. Dies sind einige Beispiele, wie man fĂŒr Krsna arbeiten kann.

Das Wort mat-paramah bezieht sich auf jemanden, der die Gemeinschaft Krsnas in Seinem höchsten Reich als die höchste Vollkommenheit des Lebens erachtet. Ein solcher Mensch wĂŒnscht sich nicht, auf die höheren Planeten, wie den Mond, die Sonne, die himmlischen Planeten oder selbst den höchsten Planeten des Universums, Brahmaloka, erhoben zu werden. All dies kann ihn nicht verlocken. Nur der spirituelle Himmel wirkt auf ihn anziehend. Und selbst im spirituellen Himmel ist er nicht damit zufrieden, in die leuchtende brahmajyoti- Ausstrahlung einzugehen, denn er möchte den höchsten spirituellen Planeten namens Krsnaloka oder Goloka Vrndavana erreichen. Da er vollkommenes Wissen ĂŒber diesen Planeten besitzt, ist er an keinem anderen Planeten interessiert. Wie das Wort mad-bhaktah andeutet, beschĂ€ftigt er sich voll und ganz im hingebungsvollen Dienst, vor allem in den neun hingebungsvollen TĂ€tigkeiten: hören, chanten, sich erinnern, verehren, den LotosfĂŒĂŸen des Herrn dienen, Gebete darbringen, die Befehle des Herrn ausfĂŒhren, Freundschaft mit Ihm schließen und Ihm alles hingeben. Man kann sich in allen neun VorgĂ€ngen der Hingabe beschĂ€ftigen oder in acht, sieben oder mindestens in einem, und so wird man mit Sicherheit die Vollkommenheit erreichen.

Der Ausdruck saáč…ga-varjitah ist sehr bedeutsam. Man sollte den Umgang mit Menschen, die gegen Krsna sind, meiden. Nicht nur die Atheisten sind gegen Krsna, sondern auch diejenigen, die zu fruchtbringenden TĂ€tigkeiten und gedanklicher Spekulation neigen. Deshalb wird die reine Form hingebungsvollen Dienens im Bhakti-rasamrta-sindhu (1.1.11) wie folgt beschrieben:

anyabhilasita-sunyam
jñana-karmady-anavrtam
anukulyena krsnanu-
silanam bhaktir uttama

In diesem Vers erklĂ€rt Srila Rupa Gosvami unmißverstĂ€ndlich, daß jeder, der unvermischten hingebungsvollen Dienst ausfĂŒhren möchte, zuerst von aller materiellen Verunreinigung frei sein muß. Er muß frei sein vom Umgang mit Menschen, die fruchtbringenden TĂ€tigkeiten oder gedanklicher Spekulation verfallen sind. Wenn man von solchem unerwĂŒnschten Umgang sowie von der Verunreinigung durch materielle WĂŒnsche frei geworden ist und in einer positiven, wohlmeinenden Haltung Wissen ĂŒber Krsna kultiviert, so nennt man dies reinen hingebungsvollen Dienst. Ānukulyasya saáč…kalpah pratikulyasya varjanam (Hari-bhakti-vilasa 11.676). Man sollte in einer positiven Haltung an Krsna denken und fĂŒr Ihn handeln, nicht in einer negativen Haltung. Kamsa war ein Feind Krsnas. Gleich von Krsnas Geburt an versuchte Kamsa, Krsna auf alle möglichen Arten zu töten, und weil seine PlĂ€ne alle fehlschlugen, dachte er stĂ€ndig an Krsna. Somit war er jederzeit – wĂ€hrend er arbeitete, wĂ€hrend er aß und wĂ€hrend er schlief – in jeder Hinsicht Krsna-bewußt; aber dieses Krsna-Bewußtsein war nicht positiv, und so galt er, obwohl er vierundzwanzig Stunden am Tag an Krsna dachte, als DĂ€mon, und Krsna tötete ihn schließlich. NatĂŒrlich erlangt jeder, der von Krsna getötet wird, augenblicklich Erlösung, aber das ist nicht das Ziel des reinen Gottgeweihten. Der reine Gottgeweihte wĂŒnscht sich nicht einmal Erlösung. Er möchte nicht einmal zum höchsten Planeten, Goloka Vrndavana, erhoben werden. Sein einziges Ziel ist es, Krsna zu dienen, wo immer er auch ist.

Ein Geweihter Krsnas ist jedem freundlich gesinnt. Deshalb wird hier gesagt, daß er keinen Feind hat (nirvairah). Wie ist dies zu verstehen? Ein Gottgeweihter im Krsna-Bewußtsein weiß, daß nur hingebungsvoller Dienst zu Krsna einen Menschen von allen Problemen des Lebens befreien kann. Er hat dies persönlich erfahren und möchte daher dieses System, Krsna-Bewußtsein, in der menschlichen Gesellschaft einfĂŒhren. Es gibt viele historische Beispiele von Geweihten des Herrn, die ihr Leben riskierten, um Gottesbewußtsein zu verbreiten. Das wohl bekannteste Beispiel ist Jesus Christus. Er wurde von den Nichtgottgeweihten gekreuzigt, aber dennoch opferte er sein Leben fĂŒr die Verbreitung des Gottesbewußtseins. NatĂŒrlich wĂ€re es ein oberflĂ€chliches VerstĂ€ndnis, wenn man glaubte, er sei getötet worden. Auch in Indien gibt es viele solcher Beispiele, wie zum Beispiel Thakura Haridasa und Prahlada Maharaja. Warum gingen diese Gottgeweihten ein solches Risiko ein? Weil sie Krsna-Bewußtsein verbreiten wollten, und das ist kein leichtes Unterfangen. Ein Krsna-bewußter Gottgeweihter weiß, daß das Leid eines Menschen darauf zurĂŒckzufĂŒhren ist, daß er seine ewige Beziehung zu Krsna vergessen hat. Der grĂ¶ĂŸte Dienst, den man der menschlichen Gesellschaft erweisen kann, besteht deshalb darin, seinen NĂ€chsten von allen materiellen Problemen zu erlösen. Auf diese Weise ist ein reiner Gottgeweihter im Dienst des Herrn beschĂ€ftigt. Wir können uns also vorstellen, wie barmherzig Krsna zu denen ist, die sich in Seinem Dienst beschĂ€ftigen und alles fĂŒr Ihn wagen. Deshalb ist es sicher, daß solche Menschen nach Verlassen des Körpers den höchsten Planeten erreichen werden.

Zusammenfassend lĂ€ĂŸt sich sagen, daß von Krsna sowohl die universale Form, die eine zeitweilige Manifestation ist, als auch die Form der Zeit, die alles verschlingt, und selbst die vierhĂ€ndige Visnu-Form manifestiert wurden. Folglich ist Krsna der Ursprung all dieser Manifestationen. Es ist nicht so, daß Krsna eine Manifestation der ursprĂŒnglichen visva-rupa oder eine Erweiterung Visnus ist. Krsna ist der Ursprung aller Formen. Es gibt Hunderte und Tausende von Visnus, aber fĂŒr einen Gottgeweihten ist keine andere Form Krsnas wichtig außer der ursprĂŒnglichen Form, dem zweihĂ€ndigen Syamasundara. In der Brahma- samhita heißt es, daß diejenigen, die sich in Liebe und Hingabe zur Syamasundara-Form Krsnas hingezogen fĂŒhlen, in ihrem Herzen immer Ihn, und nichts anderes, sehen können. Die Bedeutung des Elften Kapitels liegt also darin, daß die Form Krsnas essentiell und absolut ist.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-ErlĂ€uterungen zum Elften Kapitel der Srimad Bhagavad-gita mit dem Titel: „Die universale Form“.