na veda-yajñādhyayanair na dānair
na ca kriyābhir na tapobhir ugraiḥ
evaḿ-rūpaḥ śakya ahaḿ nṛ-loke
draṣṭuḿ tvad anyena kuru-pravīra
na — niemals; veda-yajña — durch Opfer; adhyayanaiḥ — oder das Studium der Veden; na — niemals; dÄnaiḥ — durch Wohltätigkeit; na — niemals; ca — auch; kriyÄbhiḥ — durch fromme Werke; na — niemals; tapobhiḥ — durch harte Bußen; ugraiḥ — strenge; evam-rÅ«paḥ — in dieser Form; Å›akyaḥ — kann; aham — Ich; ná¹›-loke — in der materiellen Welt; draá¹£á¹um — gesehen werden; tvat — als dir; anyena — von einem anderen; kuru-pravÄ«ra — o bester unter den Kuru-Kriegern.
ERLÄUTERUNG: Die göttliche Sicht, von der in diesem Zusammenhang die Rede ist, sollte richtig verstanden werden. Wer kann die göttliche Sicht haben? Göttlich bedeutet „göttergleich“. Solange man nicht die Stufe der Göttlichkeit eines Halbgottes erreicht, kann man keine göttliche Sicht haben. Und was ist ein Halbgott? In den vedischen Schriften heißt es, daß diejenigen, die Geweihte Visnus sind, Halbgötter sind (visnu-bhaktah smrto daivah). Diejenigen, die von atheistischem Wesen sind, das heißt diejenigen, die nicht an Visnu glauben oder nur den unpersönlichen Aspekt Krsnas als das Höchste anerkennen, können keine göttliche Sicht haben. Es ist nicht möglich, Krsna herabzusetzen und gleichzeitig die göttliche Sicht zu haben. Man kann nicht die göttliche Sicht haben, ohne selbst göttlich zu sein. Mit anderen Worten, diejenigen, die mit göttlicher Sicht ausgestattet sind, können ebenfalls wie Arjuna sehen.
In der Bhagavad-gita finden wir die Beschreibung der universalen Form. Diese Beschreibung war vor Arjuna niemandem bekannt, doch nach diesem Ereignis nun kann man sich eine ungefähre Vorstellung von der visva-rupa machen. Diejenigen, die von wahrhaft göttlichem Wesen sind, können die universale Form des Herrn sehen. Aber man kann nicht göttlich sein, ohne ein reiner Geweihter Krsnas zu sein. Die Gottgeweihten jedoch, die tatsächlich von göttlichem Wesen sind und die göttliche Sicht haben, sind nicht sonderlich daran interessiert, die universale Form des Herrn zu sehen. Wie in den vorangegangenen Versen erklärt wurde, fürchtete sich Arjuna sogar vor der universalen Form, und er wollte Sri Krsna in Seiner vierhändigen Visnu-Form sehen.
Dieser Vers enthält mehrere bedeutsame Worte, wie zum Beispiel veda-yajñadhyayanaih, was sich auf das Studium der vedischen Schriften und auf die Regeln für Opferdarbringungen bezieht. Das Wort veda bezieht sich auf alle möglichen Arten vedischer Literatur, wie die vier Veden (Ṛg, Yajur, Sama und Atharva), die achtzehn Puranas, die Upanisaden und das Vedanta-sutra. Man kann diese Schriften zu Hause oder irgendwo anders studieren. Dazu gibt es auch sutras – Kalpa-sutras und Mimamsa-sutras –, mit deren Hilfe man die verschiedenen Opfervorgänge studieren kann. Danaih bezieht sich auf Gaben, die einem würdigen Empfänger gegeben werden, wie den brahmanas und Vaisnavas, die im transzendentalen Dienst des Herrn tätig sind. Der Ausdruck „fromme Werke“ bezieht sich auf den agni-hotra und die vorgeschriebenen Pflichten der verschiedenen Kasten. Und das freiwillige Aufsichnehmen körperlicher Unannehmlichkeiten wird tapasya genannt. Selbst wenn man sich all diesen Vorgängen widmet – indem man körperliche Unannehmlichkeiten auf sich nimmt, Spenden gibt, die Veden studiert usw. –, ist es, solange man kein Gottgeweihter wie Arjuna ist, nicht möglich, die universale Form zu sehen. Die Unpersönlichkeitsanhänger mögen sich einbilden, die universale Form des Herrn zu sehen, doch der Bhagavad-gita können wir entnehmen, daß die Unpersönlichkeitsanhänger keine Gottgeweihten sind. Folglich sind sie unfähig, die universale Form des Herrn zu sehen.
Es gibt viele Menschen, die Inkarnationen erfinden. Sie bezeichnen fälschlicherweise einen gewöhnlichen Menschen als Inkarnation, aber das ist einfach Dummheit. Wir sollten uns an die Prinzipien der Bhagavad-gita halten; ansonsten ist es nicht möglich, vollkommenes spirituelles Wissen zu empfangen. Obwohl die Bhagavad-gita als die einleitende Studie der Wissenschaft von Gott gilt, ist sie so vollkommen, daß man zu unterscheiden lernt, was was ist. Die Anhänger einer Pseudo-Inkarnation mögen vielleicht behaupten, daß sie ebenfalls die transzendentale Inkarnation Gottes, die universale Form, gesehen hätten, doch eine solche Behauptung ist unannehmbar, denn wie hier eindeutig gesagt wird, kann man die universale Form Gottes nur sehen, wenn man ein Geweihter Krsnas wird. Zuerst also muß man ein reiner Geweihter Krsnas werden; dann erst könnte man sagen, daß man die universale Form, die man gesehen habe, zeigen könne. Ein Geweihter Krsnas kann falsche Inkarnationen oder die Anhänger falscher Inkarnationen nicht anerkennen.